Es gibt Dinge

TEXT AUSZUG AUS DEM STÜCK „DIE DINGE UM UNS“ AUTOR: GUNNAR SEIDEL UA: 03.12.15 – www.brachland-ensemble.de

MUSIK, KOMPOSITION MAX ESCHENBACH

GESPROCHEN VON SOFIA SHEYNKLER

Wir alle besitzen Dinge. Diese Dinge stehen in Bezug zu uns und erzählen Geschichten. Sie sind sowohl materiell als auch immateriell. Unser Besitztum verändert sich stets im Laufe unseres Lebens. Schließlich erzählen unsere Dinge am Ende auch unsere Geschichte, geben Aufschluss über unseren Charakter – unser Fühlen, Denken und Verhalten. So gehören zu der Liste von Dingen unter anderem Stoffwindeln, Tänze, die man noch sehen wollte, aber auch Särge mit eingebautem Telefon. Mit Hilfe eines Textausschnittes des Brachland Ensembles werden die Dinge um uns untersucht, die damit verbundenen Sehnsüchte, vergangene Utopien und was das alles mit unserer Sterblichkeit zu tun hat. Die Produktion ist an der Schnittstelle zwischen Hörspiel und Musikstück angesiedelt und versteht sich daher als Acoustic Story. Im Zusammenspiel von gesprochenem Wort, Soundscapes und meandernden Melodien wird eine Geschichte erzählt, die HörerInnen emotional mitreißt während sie gleichzeitig Raum für individuelle Assoziationen lässt. So werden die Hörenden eingeladen, auch über ihren Bezug zu den Dingen, die sie umgeben, nachzudenken. In der Schnelllebigkeit unseres Zeitgeistes – mit Fortschritt der Medizin und Möglichkeiten zum Kaschieren des eigenen Alters – kann die Sterblichkeit durchaus in Vergessenheit geraten. Das Sterben – und somit die Abkehr von allen uns bis dahin bekannten Dingen – gehört aber, so wie die Geburt, zum Zyklus des Lebens. Viel mehr noch bedingen sich Geburt und Tod gegenseitig – das Eine kann ohne das Andere nicht sein. Durch die Präsenz der Sterblichkeit können wir uns von Perfektionismus, immerwährenden Effizienzansprüchen und einem allgegenwärtigen Ökonomisierungsdruck distanzieren. Im Laufe des Lebens entstehen Dinge und Wünsche als Spiegel unserer Vergangenheit. Durch das Übermaß an Möglichkeiten und den Komfort der westlichen Gesellschaft verlieren materielle Dinge schnell an Bedeutung, weil nahezu alles ersetzbar scheint. Dennoch sind persönliche Dinge für ihre BesitzerInnen oft viel mehr, als nur einfache Gegenstände. Welchen Wert haben also die Dinge und wir selbst, wenn wir zeitlos, unsterblich sind?